Samstag, 29. August 2015

All aboard: "Dørene lukkes!"



Dass ein fortschrittliches und wohlhabendes Land wie Norwegen ein gut funktionierendes öffentliches Verkehrsnetz besitzt ist wohl keine allzu große Überraschung. Warum sollte ich also ausgerechnet als Wiener (unser U-Bahn-Netz braucht sich im internationalen Vergleich nicht zu verstecken und ist sicherlich einer der Gründe wieso Wien erneut das Ranking der lebenswertesten Städte weltweit anführt) davon Notiz nehmen, ja sogar einen Beitrag darüber verfassen? Oslo bezieht ja sogar Busse desselben (schwedischen) Herstellers, der auch die Wiener Linien beliefert.

Nun, in Oslo muss man sich zunächst daran gewöhnen zur U-Bahn "T-Bahn" zu sagen. Ich vermute das "T" steht eigentlich für "Transit" oder "Transport", aber ich finde es alphabetisch insofern sehr treffend, als ich die T-Bane vom Fahrgefühl irgendwo zwischen unserer Regionalbahn und U-Bahn einordnen würde: ein moderner Silberpfeil der zumindest im Zentrum in hoher Frequenz und unterirdisch verkehrt, in den Aussenbezirken aber den Erholungswert einer, sagen wir, Fahrt mit dem Regionalexpress nach Peyerbach an der Rax bietet!


Sämtliche Linien halten an den zentralen Knotenpunkten Majorstuen, Nationaltheater, Parlament, Oslo Hauptbahnhof, Grønland sowie Tøyen, aber dann verteilen sich die Züge in unterschiedliche Richtungen in die Aussenbezirke der Stadt. Und da Oslo nur im Zentrum am Meeresspiegel liegt, sich ansonsten jedoch auf zahlreiche Hügeln und Kuppen verteilt, führen die meisten T-Bahngleise kontinuierlich bergauf. Die Züge verkehren nun nicht mehr so häufig, und nicht mehr unter, sondern über der Erde, zudem wird das Tempo mit zunehmender Steigung immer gemächlicher. Das ist praktisch, denn als Fahrgast kann man sich nun zurücklehnen und die herrlich grüne Aussicht aus dem Fenster geniessen. Sofort macht sich eine entspannte Stimmung breit, und wären da nicht die zahlreichen rot gestrichenen Holzhäuser die an einem vorüberziehen, könnte man fast glauben in einem Bummelzug durch die niederösterreichische Pampa zu sitzen.


Wenn man mit der T-Bahnlinie 1 in Richtung der Skisprungschanze am Holmenkollen unterwegs ist, besetzt man idealerweise gleich einen Fensterplatz auf der linken Seite des Zuges, um etwas später von rund 400 Metern Höhe den Ausblick in den Oslofjord zu geniessen. An der Endstation Frognerseteren angekommen, hat man gar nicht mehr das Gefühl sich noch in der Stadt zu befinden, und kann direkt in die angrenzende Nordmarka losziehen. Im Sommer, um Blaubeeren zu sammeln oder an einem der zahlreichen Seen fischen zu gehen; im Winter, um die Skipisten, den Snowpark oder die zahlreichen Langlaufloipen der Umgebung unsicher zu machen!


Und zwischendurch kann man sich als Nicht-Einheimischer auch über das regelmässig aus den Lautsprechern tönende "Dørene lukkes" amüsieren - diese Ansage bedeutet nichts anderes als "Türen schliessen", aber die norwegische Aussprache desselben trägt zur Gaudi so ziemlich jedes internationalen Studenten hier bei... sogar so sehr, dass eine eigene Facebook-Gruppe ins Leben gerufen wurde, bei der man seinem Gefallen an dem Spruch Ausdruck verleihen kann! ;)


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